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In Foren bin ich häufiger auf die Frage gestoßen, wie es ist ein muslimisches Land während des Fastenmonats Ramadan zu bereisen. Nun, jetzt wo ich gerade in Indonesien bin und der Ramadan zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel anfange zu schreiben, fast beendet ist, möchte ich euch einen kleinen Einblick und ein paar Tipps hierzu geben.

Grundsätzlich gilt, dass man ein Land wie Indonesien oder Malaysia sehr gut während des Fastenmonats bereisen kann, wenn man einige Dinge beachtet. Eine Ausnahme ist hier natürlich Bali, das hauptsächlich hinduistisch ist und der Ramadan hier nur eine ganz kleine bis gar keine Rolle spielt. Ebenfalls die eher christlich geprägten Regionen Indonesiens. Ich habe es zwar nicht selbst erlebt, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass es auf Gili Trawangan – zumindest in den touristischen Bereichen – ebenfalls kaum einen Unterschied zum Rest des Jahres gibt (falls ja, korrigiert mich bitte in den Kommentaren).

Anreise und Hotels

Am besten die Flugtickets immer schon sehr früh buchen, da die Preise generell ansteigen. Besonders bei Inlandsflügen sollte man nicht zu spät buchen, sonst kann es doch sehr teuer werden oder man bekommt kaum noch Flüge. Denn zu dieser Zeit reisen viele Menschen, um ihre Familien zu besuchen etc. Das Selbe gilt wohl auch für alle anderen Verkehrsmittel.

Das Ende des Fastenmonats wird mit einem der wichtigsten Feiertage „Idul Fitri“ abgeschlossen, der in ganz Indonesien ein besonderer Feiertag ist – vergleichbar ungefähr mit Weihnachten. Man kann sich also denken, was an diesem und die Tage davor oder danach anreise- und abreisemäßig so alles los sein kann. 😉 Auch die Woche nach Idul Fitri bis zum Tag „Lebaran Ketupat“ könnte in einigen Regionen evtl. heikel werden, wobei sich größtenteils dann alles schon wieder normalisiert hat.

Bei den Hotelpreisen habe ich ehrlich gesagt selbst keinen Unterschied bemerkt. Nur den, dass in Indonesien gerade eh High-Season ist und sowieso alles teurer wird. Aufgefallen sind mir aber hin und wieder Ramadan-Specials bei Hotels, die scheinbar Rabatte anbieten.

Das ALLERwichtigste aber ist, dass man vor der Buchung seiner Unterkunft schaut, ob sich in der Nähe eine Moschee befindet (z.B. mit dem Google Maps Satellitenbild) oder einfach direkt beim Hotel nachfragt. Dass in diesen Ländern mehrmals am Tag lautstark aus den Lautsprechern der Moscheen zum Gebet aufgerufen wird, sollte man eh wissen. Das ist meiner Meinung nach auch gar nicht schlimm und man gewöhnt sich schnell daran. Nur, dass es zu Ramadan eben extremer ist und es teilweise Stunden dauern kann, statt wie normal nur wenige Minuten. Oder man besorgt sich gute Earplugs, dann ist es ein wenig angenehmer 😉

Achja, und als einen kleinen Lautstärke-Bonus gibt es in der Nacht vor Idul Fitri noch laute Paraden auf den Straßen mit Feuerwerk und Musik, die von Wagen beladen mit Miniaturversionen von Moscheen, der Kaaba oder riesigen Versionen des Korans, kommt. Ansehen kann (und sollte) man sich das Spektakel an fast jeder Hauptstraße.

Takbiran-Parade in der Nacht vor Idul Fitri (Ampenan, Lombok)
In der Nacht vor Idul Fitri („Takbiran“) gibt es laute Straßenparaden mit VIELEN Böllern und Feuerwerken

Essen, trinken etc. als Nicht-Moslem

Wenn man in einem Hotel oder Resort wohnt, braucht man eigentlich gar nichts zu beachten und kann sich normal verhalten. Auch wenn es für mich oft etwas unangenehm war zum Frühstück zu gehen und zu wissen, dass die meisten Mitarbeiter dir dabei zugucken.

Ganz anders sieht es auf der Straße bzw. in der Öffentlichkeit aus. Hier sollte man aus Respekt möglichst nicht essen, trinken oder rauchen. Viele Warungs (Essensstände an den Straßen) haben geschlossen, aber die wenigen, die geöffnet haben, kann man eigentlich auch besuchen und es gibt genug Einheimische, die dort ebenfalls hingehen. Das habe ich zumindest in Jakarta so erlebt. Sicher ist es dabei auch abhängig davon, wie stark der Tourismus am jeweiligen Ort ist. So „streng“ wie es oft erzählt wird, ist es dann scheinbar also doch nicht überall. 😉 Gerade auch an Flughäfen ist alles etwas gelockerter (reisenden Muslimen ist es übrigens erlaubt das Fasten zu unterbrechen und ggf. nachzuholen). Dennoch ist es besser das Essen immer als Takeaway mitzunehmen und dann in seiner Unterkunft oder zumindest an einem abgelegenen Ort zu essen. Auch Restaurants oder Fast-Food-Ketten hatten normal geöffnet, ebenso wie logischerweise chinesische und balinesische Shops. Nach dem sogenannten „Close Fasting“ (indonesisch „Buka Puasa“ genannt), erwacht dann alles zum Leben und die Straßen, Shops und Warungs werden voll.

Marcel zu Gast bei einer indonesischen Familie
Ich zu Gast bei meiner indonesischen Familie am Abend des Takbiran

Sonstiges

Man muss sich bewusst sein, dass die Leute von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keinerlei Lebensmittel zu sich nehmen und dass Angestellte im öffentlichen Bereich vielleicht nicht ganz so schnell und konzentriert arbeiten. Man geht eben alles ein wenig langsamer an, was auch verständlich ist. Deswegen sollte man das – gerade mit unserer deutschen Mentalität – immer im Hinterkopf behalten 😉

Ketupat Lebaran
Ketupat: Aus Palmenblättern gewebte kleine „Schalen“, die später mit Reis gefüllt und gekocht werden, wodurch der Reis besonders fest und klebrig wird. Die leeren Ketupat-Hüllen sind am Ende des Ramadans überall an Häusern, Autos und Motorbikes zu finden und DAS Symbol überhaupt für das Idul Fitri Fest.

Hier noch abschließend die nächsten Ramadan-Termine für eure Reiseplanung:

2015: 18.06. – 16.07. (Idul Fitri: 17. – 18.07.)
2016: 06.06. – 05.07. (Idul Fitri: 06. – 07.07.)

Wart ihr während des Ramadan-Monats auch schon mal in Indonesien (oder alternativ auch Malaysia)? Wenn ja, würden mich eure Erfahrungen sehr interessieren…

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Marcel

Moin, ich bin Marcel! Blogger, Autor, Web- & Grafikdesigner und digitaler Nomade. Ich reise am liebsten durch Südostasien und entdecke dort traumhafte Strände und leckeres Essen. Meine Homebase ist Koh Phangan, Thailand. Folge mir auf Facebook, Twitter, Instagram oder Steemit.

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