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Wenn ich an Sumatra dachte, drängen sich mir immer Bilder von dichtem Dschungel, Orang Utans, dem berühmten Toba-See oder der schroffen, von Regenwald gesäumten Vulkane auf. Bei einer Recherche zu vom Tourismus noch wenig berührten Orten in Indonesien war ich umso überraschter, auf dieses Inselparadies an der Westküste Sumatras zu stoßen.

Cubadak vor Sumatra – ein scharfer Geheimtipp

Einsamer Strand auf Cubadak vor der Küste Sumatras, Indonesien
Einsamer Strand auf Cubadak

Nur eine einzige Übernachtungsmöglichkeit gibt es bis jetzt auf der Insel Cubadak – eine Bungalowanlage mit 14 Holzhäuschen, eines davon direkt über dem Wasser.

Da ich bisher meinen Lieblingsplätzen in Indonesien Bali und Flores immer treu war und Gefahr lief, wie ein Dauercamper im besten Alter zum gleichen Ort zu fahren, zwang ich mich, endlich einmal etwas Neues auszuprobieren. Indonesien mit seinen 17.000 Inseln hat so viel zu bieten – ein Leben reicht nicht aus, um alle zu besuchen!


Unser Weg nach Cubadak Island

Also machten wir uns im April des Jahres 2019 auf, Cubadak Island (Pulau Cubadak) zu erkunden. Von Jakarta flogen wir nach Padang im Westen von Sumatra. Am Flughafen wurden wir von einem Fahrer des Resorts abgeholt und tuckerten gemütliche 2 Stunden durch eine hügelige Landschaft voller Reisfelder, Dschungel und Küstenstraßen.

Die Region Padang ist in ganz Indonesien berühmt für das Konzept “Nasi Padang” – ein Imbiss, bei dem zahlreiche kalte Speisen in einer Vitrine präsentiert werden und dann auf vielen kleinen Tellerchen an den Tisch gebracht werden. Du zahlst nur, was du isst – ein sehr günstiges und leckeres Mittagessen, vorausgesetzt, du kannst die Schärfe aushalten. Diese ist nicht zu unterschätzen!

Der Fahrer setzte uns an einem Hafen ab, wo schon ein kleines Motorboot auf uns wartete. Die frische Meeresluft war ein echter Genuss nach mehr als 5 Stunden Anreise aus Jakarta. Nachdem wir und das Gepäck sicher im Boot verstaut waren, begann unsere kurze Überfahrt.

Bootsfahrt vom Festland Sumatras nach Cubadak
Bootsfahrt vom Festland Sumatras nach Cubadak

Nach etwa 200 Metern wurde Cubadak Island sichtbar – eine hügelige Insel inmitten von klarstem, blau-grünen Meer. Unsere Gastgeber holten uns am Resort-eigenen Steg ab und führten uns zu unserem Bungalow – direkt am Meer, umgeben von Kokospalmen. Wer jetzt an die Malediven mit seinen paradiesischen Resorts denkt, liegt falsch: Es ist zwar die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf der Insel, aber eher auf der rustikalen Seite. Die Bungalows sind aus Holz und blitzblank sauber, aber es gibt z.B. keine Air Condition oder einen Kühlschrank.

Aussicht auf die Bungalows auf Cubadak

Unser Bungalow auf Cubadak
Unser Bungalow auf Cubadak

Gemeinsame Mahlzeiten für alle

Die Inhaber erklärten uns, dass Mahlzeiten mit einer Glocke angekündigt und im zum Meer hin offenen Restaurant an einem großen Tisch mit allen Gästen gemeinsam eingenommen werden. Über die nächsten Tage wurde uns klar, dass der Spaßfaktor beim Essen damit steigt und fällt, ob du gut mit den anderen Gästen kannst oder nicht. Wenn du dich selbst als soziale, unkomplizierte Person betrachtest, hast du mit den gemeinsamen Mahlzeiten sicher keine Probleme. Es ist auch eine gute Gelegenheit, mit den anderen Gästen ins Gespräch zu kommen und Traveller Stories auszutauschen.

Schwimmende Bar vor der Insel Cubadak, Sumatra
Schwimmende Bar vor Cubadak
Die schwimmende Bar von Innen
Die Bar/das Restaurant von Innen

Schildkröte(n) zum Sonnenuntergang

Die Bungalows sind so weit auseinandergebaut, dass du viel Privatsphäre hast. Wir verbrachten die meiste Zeit damit, am Steg zu liegen und ins kristallklare Wasser zu schauen (dabei wurde auch das ein oder andere kalte Bier getrunken).

Unser tägliches Highlight war es, Meeresschildkröten zu erspähen. Es war tatsächlich möglich, die Schildkröten vom Steg aus zu sehen. Jeden Tag gegen 16.30 Uhr sahen wir mindestens zwei (vielleicht war es auch immer die gleiche) Schildkröten, die zum Luftholen an die Wasseroberfläche kamen. Lustigerweise haben wir beim Schnorcheln keine einzige gesehen.

Wasserschildkröte vor der Insel Cubadak in Indonesien

Schnorchelequipment kann kostenlos beim Resort ausgeliehen werden. Es gibt dort auch einen Tauchshop, wo du Tauchtouren in die Unterwasserwelt der Umgebung buchen kannst. Auf der Insel gibt es kein kostenloses WLAN (einen Faktor, den viele andere Gäste kritisierten), aber da wir indonesische SIM-Karten hatten, war dies für uns kein Problem. Vielleicht kannst du das nicht vorhandene WLAN nicht als Mangel, sondern als Chance für einen Digital Detox sehen.

Cubadak Island: totale Entspannung

Es ist sehr schwer, sich auf Cubadak Island NICHT zu entspannen. Das Rauschen des Meeres, das Swish-Swish der Kokospalmen im Wind und die Rufe der Affen kreieren einen Sound, der fast hypnotisierend wirkt. Nach zwei (von insgesamt vier) Tagen waren wir so tiefenentspannt, dass wir uns fragten, wie wir je wieder in die Zivilisation zurückkehren könnten.

Sonnenaufgang mit Aussicht auf die Insel Cubadak, Indonesien
Sonnenaufgang auf Cubadak Island

Um uns zumindest selbst das Gefühl zu geben, etwas “gemacht” zu haben, liehen mein Freund und ich uns das Kanu der Inhaber des Resorts aus und paddelten ein bisschen auf dem Meer herum, das sich wie ein Spiegel vor uns ausbreitete (Spoiler Alert: wenn du die Stabilität deiner Beziehung testen willst, solltest du mit deinem Partner/in paddeln gehen). Außer die Insel aus einer anderen Perspektive zu sehen und die Illusion einer sportlichen Aktivität zu haben, bescherte uns Kanu-Novizen dieses “Abenteuer” einige Lacher und spöttische Kommentare der anderen Gäste. Egal, wir hatten Spaß!

Lisa beim Kanufahren vor dem Paradiesstrand Cubadaks

Lisa beim Kanufahren vor dem Paradiesstrand Cubadaks
Kristallklares Wasser vor der Küste Cubadaks

Für Aktivurlauber nur eingeschränkt zu empfehlen

Eine andere Aktivität, falls du nicht den ganzen Tag mit herumliegen, lesen und auf das Meer gucken verbringen willst, ist, auf den Aussichtspunkt der Insel zu klettern. Es gibt eigentlich 2 Aussichtspunkte – einen, der vom Resort aus in etwa 20 Minuten erreichbar ist und einen höheren, der eine Wanderung von etwa 90 Minuten erfordert.

Nach Ansicht der Resortinhaber ist die zweite Variante schweißtreibend und anstrengend – und da wir ja sowieso schon im Entspannungsmodus waren, entschieden wir uns für die erste. Was wir für einen kurzen Spaziergang hielten, entpuppte sich dann schnell als Hindernislauf und schweißtreibenden Workout.

Der Weg den Hügel hoch bestand aus in die Erde gehauenen, provisorischen Stufen, die unterschiedlich hoch, sehr steil und extrem rutschig waren. Ein anderer Faktor ist die Omnipräsenz mehrerer Affenfamilien, die sich sehr für uns interessierten. Wir brauchten für unseren Trip zum Aussichtspunkt zwei Anläufe, da beim ersten Mal die komplette Affengang den Weg blockierte und uns nicht vorbei ließ.

Als wir es dann schließlich nach oben geschafft hatten, wurden wir mit einem herrlichen Ausblick über die Inselwelt West-Sumatras belohnt. Die vielen verschiedenen Schattierungen von grün, blau und braun waren wirklich herrlich anzusehen. Wir konnten uns auf dem Aussichtspunkt allerdings nicht allzu lange entspannen, da wir wussten, dass wir noch den Weg nach unten vor uns hatten, der mit mehr oder weniger inquisitiven Affen gesäumt sein könnte. Wir schafften es allerdings problemlos nach unten und belohnten uns mit einem sehr kalten Bier für unser überstandenes Abenteuer.

Aussicht auf Cubadak vom Viewpoint aus
Aussicht auf Cubadak vom Viewpoint aus

Das schönste an dieser Insel für mich war die Nähe zur artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Manchmal vielleicht etwas ZU nah! Eines Morgens trat ich vor die Tür unseres Bungalows und vor mir stand eine Familie Wildschweine. Nach einem Moment gegenseitigem Anstarrens trat ich dann behutsam den Rückzug an und beobachtete sie lieber von drinnen aus. Fast täglich sahen wir kleinere und größere Warane, die sich gemeinsam mit den Wildschweinen und den allgegenwärtigen Affengangs um den Küchenabfall stritten.

Kleiner Waran (Monitor Lizard) auf Cubadak, Indonesien
Kleiner Waran (Monitor Lizard)

Wildschwein auf der Insel Cubadak in Indonesien

Quallen treten saisonabhängig auf, sind aber eher harmlos

In den ersten Tagen säumten unzählige in Lilafarben schimmernde Kadaver von Quallen die Strände – ein mysteriöses Phänomen, das ich mir nicht erklären konnte. Die toten Quallen wurden dann von dem Hausmeister mit der Schubkarre eingesammelt und verbrannt. Auch im Meer beim Schnorcheln konnten wir zahlreichen lebenden und toten Quallen begegnen.

Am ersten Tag “wischte” ich versehentlich eine beim Schwimmen aus dem Weg, was zu einer schmerzhaften Verbrennung an der Hand führte – nach einigen Stunden Essigkompresse war dies aber wieder gut und vergessen und hielt mich auch nicht davon ab, weiter in dem herrlichen Wasser zu schwimmen (die Quallenschwemme nahmen nach Tag 2 rapide wieder ab). Der Inhaber informierten uns, dass in den hölzernen Stelzen, auf denen der Steg gebaut war, schwarz-weiße Wasserschlangen nisteten, die er öfter beim Tauchen sah. Wir hatten das Glück oder Pech, keiner dieser wundersamen Kreaturen zu begegnen.

Der Himmel erstrahlt in allen Schattierungen

Jeden Abend gegen 17.00 Uhr setzen wir uns mit einem kalten Getränk auf den Steg und schauten zu, wie sich die Farben des Himmels von hellblau zu orange, rot, lila und dann dunkelblau veränderten – das wird mir einfach NIE langweilig.

Aussicht auf den Sonnenuntergang von Cubadak aus

Stichwort langweilig: diese Insel ist nicht das Richtige für echte Aktivurlauber. Außer Schwimmen, Schnorcheln, Kanufahren, Tauchen und auf den Hügel Kraxeln ist nicht viel zu tun – aber dafür gibt es Ruhe, Frieden und Stille so viel du möchtest. Ich empfehle es vor allem für die Leute, die vielleicht schon eine Indonesien-Rundreise hinter sich haben und die anderen Hotspots Sumatras schon gesehen haben. Sie ist die perfekte Krönung einer Reise nach Sumatra.

Vom Flughafen Padang aus kommst du easy zu vielen anderen Orten in Indonesien. Es gibt sogar eine Flugverbindung nach Singapur. Zwei, drei Tage auf der Insel reichen völlig aus, um die Batterien wieder aufzuladen. Cubadak ist eine wirklich unkomplizierte, bildschöne kleine Insel für eine Pause von der Zivilisation.


Über die Autorin

Gastautorin Lisa
Lisa

Wenn sie nicht gerade beim Yoga ist oder mit der Moped kreuz und quer durch Indonesien fährt, findest du Lisa gerne am Meer – vorzugsweise mit einem Glas Rotwein in der Hand und Sand zwischen den Zehen. Seit sie 2009 das erste Mal nach Asien flog, verlor sie ihr Herz an die Region – mit einem einzigen Wermutstropfen: wenn es doch mehr gute Pizza hier gäbe! Folge ihren Reisen und ihrer Jagd auf Pizza bei Instagram: @lisa_asia

Falls du selbst einen Abstecher nach Cubadak Island planst oder Fragen hast, schreibe es gerne in die Kommentare.

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Gast

Dies ist ein Gastartikel. Falls du Fragen oder Anregungen zum Thema hast, schreibe sie einfach in die Kommentare oder kontaktiere den Gastautor direkt auf seinem Blog.