Heute möchte ich mal ein bisschen persönlicher werden und über die Rückkehr von meiner Langzeitreise bzw. Weltreise sprechen. Das wollte ich schon lange, vielleicht war ich noch nicht ganz bereit oder der Zeitpunkt war nie richtig, aber ist er das jemals?

Langzeitreise – wie es ist nach Hause zu kommen

Eher nicht, aber dieses Thema schwirrt mir schon lange durch den Kopf und hat mich vor, sowie teilweise während meiner Reise öfters beschäftigt. Wie ist das eigentlich wenn ich nach Hause komme? Ist alles beim alten geblieben? Habe ich was verpasst?

Die Antwort ist gar nicht mal so leicht und ist irgendwie ja und nein gleichzeitig. Vielleicht stellst du dir diese Fragen auch? Ich versuche die Antwort mal aus meiner Sicht zu schildern und meine Gedanken hier aufs „Papier“ zu bringen.

Heimweh oder Fernweh?

Mal unter uns – ich war bis jetzt nie ein Mensch, der großes Heimweh bekommt. Mich zieht es schon immer in die Ferne. Neue Leute, neue Kulturen, neue Länder kennenlernen, das ist mein Ding.

Meine Eltern sind mit mir seit Kindertagen in den Urlaub gefahren. Jedes Jahr. Vielleicht hat mich das einfach geprägt, so dass ich eher Fernweh als Heimweh bekomme und daher wusste ich gar nicht, ob solche Fragen bei mir aufkommen würden.

Tobi und der letzte Sonnenuntergang auf Koh Samui, Thailand
Den letzten Sonnenuntergang auf Koh Samui genießen, bevor es zurück in die Heimat geht…

Wie ist es wohl nach Hause zu kommen?

Als ich 2013 ein halbes Jahr unterwegs war, habe ich mich zwangsweise mal mit dem Gedanken auseinandersetzen müssen, wie es ist nach einer langen Auszeit nach Hause zu kommen. Die Fragen kamen nämlich auch bei mir hoch, besonders da ich ein Mensch bin, der viel nachdenkt.

Als ich dann alleine in Australien und Neuseeland war, hatte ich genügend Zeit dafür. Da kommen einem echt viele und die verrücktesten Gedanken in den Kopf wenn man so viel Zeit für sich selbst hat.

Habe ich was verpasst? Geburtstage, Feiertage, fette Partys? Wie vorhin erwähnt, ja und nein. Klar, ich war nicht da, wenn es um die ganzen Tage ging, aber grundsätzlich sind die nicht anders abgelaufen, als die Jahre zuvor. Also eigentlich gar nichts verpasst…

Vielleicht habe ich mir auch teilweise mehr Gedanken darum gemacht als nötig, vielleicht auch aus dem Grund, weil von vornherein klar war, dass ich am 1. Juli wieder zur Arbeit musste. Das Ende war also die ganze Zeit über festgelegt und früher oder später war es dann soweit nach Hause zurückzukehren.

Freute ich mich auf zu Hause? Nein, eher nicht. Nicht weil ich meine zu Hause gebliebenen Freunde oder meine Familie wiedersah, sondern weil ich im Inneren wusste, dass mein Leben dasselbe sein wird wie vorher. Die Reise war ja irgendwie auch ein Ausbruch vom Alltag, vielleicht zu dem Zeitpunkt auch eine Flucht. Ein lang gehegter Traum, den ich mir erfüllen wollte.

Tobi auf dem Flughafen von Hong Kong
Die Reise geht schneller vorbei als gedacht…

Was hat sich verändert nach einer Langzeitreise?

Hatte sich daheim etwas geändert? Nein, nicht wirklich. Die Leute waren immer noch dieselben und machten dasselbe – zumindest der große Teil. Aber ich, ich war anders. Ich hatte gelernt selbstständiger zu sein, das Leben von einer anderen Seite kennengelernt. Gelernt minimalistischer zu Leben, nicht so viel an materiellen Sachen festzuhalten, ganz nach dem Motto „Travel is the only thing that makes you richer“.

Es sind nicht die Sachen, die einen irgendwo halten, es sind die Leute und die Erfahrungen. Ich habe ein halbes Jahr aus dem Rucksack gelebt und habe eigentlich nichts vermisst. Ich bin ein Stück erwachsener geworden, aber suche vielleicht auch ein Stück mehr das Kind in mir. Ein Gegensatz, ja! Aber ich habe gelernt auch die kleinen Dinge des Lebens mehr zu schätzen, mehr zu genießen und mich z.B. nicht nur auf meine DVD-Sammlung zu Hause zu stürzen.

Früher war der Fernseher dauernd an, jetzt nur noch wenig, es sei denn es ist Weltmeisterschaft, wie jetzt gerade. Irgendwie brauche ich das Meiste alles nicht mehr. Es ist manchmal sogar ein bisschen Ballast. Ich finde, mein Geld kann ich sinnvoller einsetzen.

Reisen, Unternehmungen mit Freunden machen, einfach etwas, das vielleicht für die Ewigkeit ist. Momente erleben, die in Erinnerung bleiben. Ich meine, woran erinnere ich mich später denn mal gerne? An meinen 52 Zoll Fernseher, mein drittes neues Auto oder an die Momente, die ich erlebt habe und bei denen ich wirklich glücklich war und mich lebendig gefühlt habe? Meine Meinung: ganz klar das Letztere!

Zurück in der Heimat

Ich erinnere mich genau an den Tag, an dem ich nach knapp einem halben Jahr wieder in Hamburg landete und meine Eltern mich vom Flughafen abholten. Keine Frage, ich freute mich meine Familie und meine Freunde wiederzusehen. Leute, die ich von Zeit zu Zeit definitiv auf der Reise vermisst habe und die mir sehr am Herzen liegen.

Jedoch fehlte mir das Gefühl, dass dies hier gerade der richtige Platz für mich ist, ich fühlte mich als müsste ich hier sein, wollte es aber nicht. Vielleicht war das wegen meiner bald beginnenden Arbeit, dem Hamsterrad in das ich wieder einsteigen sollte. Vielleicht weil ich weit weg von meiner Freundin war und ich wusste, das wird die nächsten Monate so bleiben, vielleicht auch einfach weil ich anders war als vor der Reise.

Der Hafen von Hamburg an den Landungsbrücken
Zurück im Norden von Deutschland – auch ein schöner Anblick der Hafen von Hamburg!

Ich war zu Hause. Es war mein Zuhause. Trotzdem fühlte ich mich so, als ob ich am liebsten gleich wieder in den Flieger steigen würde. Es tut mir auch ein bisschen Leid, als meine Mutter mich fragte, ob ich mich freue wieder zu Hause zu sein und meine Antwort darauf “Eher nicht” lautete.

Das hatte sie wohl nicht erwartet. Ich auch nicht, aber es kam so aus mir heraus. Ich war froh sie wiederzusehen, aber nicht froh an dem Ort zu sein, in dem ich wieder in mein gleiches altes Leben zurückkehren sollte.

Wann geht’s wieder los?

Jetzt, 1 Jahr später, geht es bald ins nächste Abenteuer, ohne einen festen Job zu haben, den ich hier wieder aufnehmen muss. Die Möglichkeit, sobald ich will wieder in die nächste Reise zu starten, wenn ich mal nach Hause komme. Vielleicht fällt mir das nach Hause kommen dann leichter, vielleicht freue ich mich dann auch mal auf zu Hause.

Das Abenteuer „Digitaler Nomade“, online meinen Lebensunterhalt verdienen, startet also im August 2014 und da werden wir natürlich auch fleißig Artikel schreiben und Erfahrungen weitergeben. Wir werden sehen was passiert und ich bin sehr gespannt!

Wie war dein Gefühl nach einer Langzeitreise oder Weltreise nach Hause zu kommen? Hast du dich gefreut? Wie hast du es erlebt? Wir freuen uns auf einen Kommentar von dir!

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Tobi

Hi, ich bin Tobi, Freelancer im Bereich Übersetzungen und Texten, aber vor allem leidenschaftlicher Reiseblogger. Am liebsten bin ich in Südostasien unterwegs und arbeite von den verschiedensten Orten online. Wenn du wissen willst, was ich gerade mache oder wo ich bin, dann folge mir am besten auf Twitter, Instagram oder schaue bei Facebook vorbei.