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Indien ist, wie dir jeder der schon mal da war, bestätigen wird, kein einfaches Reiseland. Das kann natürlich sofort wieder relativiert werden – „es kommt darauf an“, natürlich. Wenn du in einer Gruppe reist, hast du sicherlich eine andere Erfahrung als wenn du als alleinreisende Frau unterwegs bist.

Im Süden hast du eine andere Erfahrung als im Norden, während des Monsuns eine andere als in der Trockenzeit und so weiter. Aber trotzdem: Leute, Indien ist krass! Daher entscheiden sich viele, entweder am Ende oder am Anfang ihrer Indien-Reise einen Abstecher nach Goa zu machen, wo du von dem üblichen „Hustle and Bustle“, der Verrücktheit Indiens, der Armut, dem Verkehr, dem Gehupe und all den anderen Aspekten, die Indien so schwer verdaulich machen, abgeschirmt bist.

Goa in Südindien – ein Sehnsuchtsort am Meer

Horizontal wachsende Palme in Süd-Goa, Indien

Ich empfehle dir, eher am Anfang der Reise nach Goa zu kommen, da du dich hier ganz langsam und sanft auf Indien einstellen kannst und dann der Kulturschock vielleicht nicht ganz so groß ist.


Süd-Goa ist etwas ruhiger

Palmen, endlose Strände, freundliche Locals und günstiges Bier: Der kleinste Bundesstaat Indiens an der Westküste war schon immer ein Sehnsuchtsziel vieler Westler: er war der Endpunkt des berühmten „Hippie Trail“, wo sich in den Siebzigern junge Leute aus aller Welt mit ihren VW-Bussen trafen, Yoga machten, allerlei Substanzen ausprobierten und sich ein einfaches Leben unter Palmen versprachen.

Palmen und Boote in Süd-Goa, Indien

Dieser Vibe ist mittlerweile ganz verschwunden: Goa ist nun vor allem ein Partyspot für junge Inderinnen und Inder, die der Hektik ihrer Megastädte entfliehen und für ein paar Tage den Alltag vergessen wollen. Die Hot-Spots für (Party-)Touristen sind vor allem in Nord-Goa.

Süd-Goa ist etwas ruhiger (wenn du eine Party suchst, findest du sie aber sicher trotzdem), mit langen, sauberen Stränden und sehr günstigen Unterkünften. Die Saison in Goa ist von Dezember bis Mai. Reisen außerhalb davon sind nicht empfehlenswert, weil die Restaurants und Bungalows abgebaut werden, die Wellen sehr hoch sind – und es regnet!

Um aus deiner Reise nach Goa das meiste rauszuholen, habe ich für dich heute 6 Tipps zusammengestellt.

Kuh am Strand in Süd-Goa, Indien

1. Location ist alles!

Das gilt für alle Reisen auf dieser Welt? Ja, klar, aber in Goa nochmal mehr als woanders! Goa hat eine Küste von über 100 km und die interessanten Orte sind weit verstreut. Anders als z.B. in Bali, kannst du nicht eben spontan entscheiden, wo du unterkommen willst, sondern musst zumindest die Region grob eingrenzen.

Ein Scooter ist essentiell – achte hier aber darauf, einen Helm mit auszuleihen. Unfälle mit Kühen kommen oft vor, und bringen dich in eine sehr gefährliche Situation. Also fahre vorsichtig.

Unterkünfte in Indien sind meiner Erfahrung nach von schlechterer Qualität als in anderen Ländern Südostasiens – also checke unbedingt vorher das Zimmer, bevor du einziehst. In Süd-Goa empfehle ich dir, in Palolem (das ist der geschäftigste Ort), Patnem (der mit dem besten Strand) oder Agonda (der verschlafenste) zu wohnen. Zwischen den drei Orten kannst du auch easy mit dem Scooter hin- und herfahren.

Unser Bungalow direkt am Meer, Süd-Goa
Unser Bungalow in Süd-Goa

2. Genieße die wundervollen, sauberen Traumstrände Süd-Indiens

Überraschenderweise – wenn du das restliche Indien kennst – sind die Strände von Goa sehr sauber und aufgeräumt. Das Wasser ist kaum verschmutzt (im Gegensatz zu der Regenzeit in Bali, wenn du durch meterweise Plastik im Wasser waten musst, um surfen zu können), klar und herrlich warm.

Aussicht auf das Meer und die Küste Süd-Goas

Der Postkartenstrand Süd-Goas ist mit Sicherheit der Palolem Beach – der entsprechend busy ist. Auf dem breiten, hellen Strand gibt es Verkäufer, Massagen, Hunde, Kühe, Sonnenliegen, Restaurants, Bars, Geschäfte. Also alles, was das Herz (nicht) begehrt. Der von Kokospalmen gesäumte Strandabschnitt ist wunderschön – vor allem am Abend, wenn die Tische der Restaurants in den Sand gestellt werden – bei Tag ist aber wirklich viel los.

Aussicht auf den Palolem Beach in Süd-Goa
Palolem Beach

Der Patnem Beach (mein persönlicher Favorit) ist ähnlich schön – weniger breit, weniger Palmen allerdings – aber wesentlich ruhiger. Hier gibt es Sonnenliegen, die zu den jeweiligen Beach-Restaurants gehören, auf denen du wunderbar eine kühle Kokosnuss trinken und aufs Meer schauen kannst. Das Wasser ist genauso sauber – aber der Tourismus ist noch relativ sanft. Kein wirklicher Geheimtipp, aber hier kannst du einen sehr entspannten Tag am Strand verbringen.

Sonnenuntergang am Patnem Beach in Süd-Goa
Sonnenuntergang am Patnem Beach

Agonda Beach ist etwas für Puristen. Der breite, weiße Sandstrand ist komplett leer – Restaurants und Bars dürfen auf dem Sand keine Liegen oder Verkaufsstände aufstellen – und du kannst meilenweit ungestört spazieren gehen. Wenn du gerne in der Sonne liegst, findest du diesen Strand vielleicht nicht so gut geeignet, da es keinen Schatten gibt und nur wenige Orte, wo du etwas zu trinken kaufen kannst. Perfekt für den Sunset, tagsüber wahrscheinlich zu heiß.

3. Stretch, relax, Yoga!

Indien als Geburtsstätte des Yoga ist natürlich ein Traum für alle Yogis und Yoginis. Überall über Indien verstreut findest du unzählige Yogaschulen, Yoga Teacher Trainings und Weiterbildungskurse im Bereich Yoga, Wellness, Massage und so weiter.

Wem Rishikesh (die „Yoga-Hauptstadt“ Indiens) im Norden am Ganges zu kühl ist und wer den Kulturschock zu sehr fürchtet, sollte seine Matte in Goa ausbreiten. Viele Yogaschulen liegen direkt am Meer, z.B. das berühmte Kranti Yoga mit seiner zum Meer geöffneten Shala, wo von morgens bis abends Kurse stattfinden. Die Kurse sind sehr begehrt – vor allem zur Hauptsaison.

Ansonsten bieten viele Hostels und Bungalowanlagen ihre eigenen Kurse an. Du kannst fast jeden Stil finden, von Hatha, Vinyasa, Yin bis hin zum klassischen Ashtanga/Mysore. Von dynamischen, sportlicheren Klassen bis hin zu eher meditativeren/relaxten ist wirklich alles dabei.

4. Probiere die lokale Spezialität: Goa Fischcurry!

Indisches Essen ist der absolute Hammer und zu Recht auch bei internationalen Reisenden in Goa sehr beliebt. Hier musst du allerdings gut aufpassen, dass du auch wirklich südindisches Essen bekommst, denn viele Restaurants bieten vor allem das populäre nordindische Essen an. Das ist das, was du auch in Europa kennst: Paneer, Naan-Brot, reichhaltige, sahnige Currys und Tandoori-Gerichte. Obwohl das zweifellos sehr lecker ist, empfehle ich dir, die südindische Küche auszuprobieren.

Von der Nähe zur Küste beeinflusst, findest du hier vor allem Gerichte mit Fisch, Meeresfrüchten, Kokosnüssen, frischem Gemüse und einer großzügigen Prise Chili. Absolut empfehlenswert! Wer die Schärfe doch noch scheut, kann abends in einem der vielen Beach-Restaurants mit den Füßen im Sand sitzen und gegrillten Fisch, Garnelen, Tintenfisch oder andere Meeresspezialitäten probieren.

5. Schau dir den Sonnenuntergang am Strand an

Die Sonnenuntergänge in Goa sind atemberaubend! Von zartorange bis zu feuerrot über lila zu nachtblau schillert der Himmel in allen Schattierungen. Viele Restaurants bieten zu dieser Zeit eine Happy Hour an und platzieren Stühle oder Beanbags am Strand. Kühe und Hunde laufen über den Sand, Leute spielen Badminton oder Frisbee, andere machen Selfies bis zum Umfallen – ein perfekter, unperfekter Sonnenuntergang in Südasien eben.

Traumhafter Sonnenuntergang in Süd-Goa, Indien

6. Mach einen Ausflug mit dem Scooter

Da du dir ja sicher einen Scooter (mit Helm!) ausgeliehen hast, bist du quasi unbegrenzt mobil und kannst die Gegend erkunden. Während die oben genannten Strände natürlich super zum Erholen sind, willst du vielleicht trotzdem nach ein paar Tagen mal etwas anderes sehen. Allein schon eine Fahrt an der Küste entlang ist die Reise wert – in der Architektur der Städte und Siedlungen kannst du noch die portugiesisch geprägte Bauweise bestaunen (Goa war eine portugiesische Kolonie, daher sind auch die meisten Goaner Christen). Die farbenprächtigen Kirchen sind ein tolles Fotomotiv!

Wem nicht so nach Sightseeing ist, der kann einfach einen anderen Strand besuchen. Cola Beach ist die beschwerliche, gefährliche Anreise über extrem steile Schotterstraßen wert. Dort findest du eine Süßwasserlagune, die sich fast bis zum Meer erstreckt und an einen oft menschenleeren Strand angrenzt. Der Weg dahin ist allerdings nichts für ungeübte Rollerfahrer.

Das Cola Beach Resort am Cola Beach in Süd-Goa, Indien
Das Cola Beach Resort am Cola Beach

Von Palolem Beach aus kannst du auch Boote mieten, um Delfine zu sehen und um zu anderen kleinen Stränden zu kommen. Wie so oft in Indien, bist du dort allerdings nicht alleine, sondern teilst dir die Naturschönheiten mit vielen anderen Touristen und ihren Kameras. Daher empfehle ich dir eher, auf eigene Faust die Küste zu erkunden. Dann hast du die Chance, fast leere Strände zu finden.

Felsen und Bootstour am Palolem Beach, Süd-Goa
Bootstour am Palolem Beach

Über die Autorin

Gastautorin Lisa
Lisa

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